Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


Brandneu und schon eine Audi-Ikone

Lange kamen mit den Avants nur die schönsten Kombis aus Ingolstadt. Seit dem A7 offeriert Audi jedoch ein Limousinen-Coupé, dessen Linie betört und die Historie zitiert. Im Test die zweite Auflage als 50 TDI.

© Reinhard FellnerSchönes und Schönes gesellt sich gern: Der neue Audi A7 macht natürlich auch vor dem Weinort Kaltern eine gute Figur. Die Proportionen, das wunderbar gezeichnete Heck und die breite Spur formten eine Audi-Skulptur.

Von Reinhard Fellner

Kaltern – Die Automobilbranche ist derzeit auf der Suche nach der Zukunft. Audi blickt dabei bei der zweiten Generation des A7 vor und zurück. In die Vergangenheit, weil schon der erste A7 von 2010 mit seinem betörenden Fließheck eine Hommage an das Audi 100 Coupé S von 1970 war. In die Zukunft, da der Technologiekonzern in dieses neue Limousinen-Coupé alles hineinkonstruiert hat, was den Herrn der Ringe möglich ist.

Schon allein, dass der neue A7 plattformäßig nun auf dem Flaggschiff A8 basiert – und nicht mehr auf dem A6 –, darf registriert werden. „Vorsprung durch Technik“ hieß es ja lange bei Audi. Heute zeugen 39 Assistenzsysteme mitsamt 24 Sensoren, ein 48-Volt-Bordnetz, Matrix-Laserlicht, Luftfederung, dynamische Allradlenkung, drei Bildschirme im Innenraum oder LTE-WLAN bei Fahrt beispielsweise (und oftmals optional) davon.

Obwohl von den Außenmaßen her fast ident, steht der neue A7 nun noch beeindruckender auf der Straße als früher. Nicht nur einmal täglich war Passanten beim Anblick des mythosschwarzen TT-Testwagens Staunen und Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Manch spontaner Ausruf der Verzückung ist hier nicht zitierbar. So etwas passiert einem in einem SUV ja doch eher selten.

Darf der zweite A7 mit dem wunderschön verlaufenden Fließheck, einer Höhe von 1,42 Meter und gut 1,9 Metern Breite mitsamt der gestreckt-eleganten Linienführung doch als nahezu formvollendet gelten. Imposant und technoid dazu die Front mit dem Audi-Grill mitsamt seinen Sensoren und LED-Scheinwerfern. Auch innen reizt Audi nahezu alle Möglichkeiten aus und zeigt auch der Premiumkonkurrenz, wo die Messlatte bei der Qualität hängt. Erleb- und bedienbar sind alle Funktionen über mittlerweile drei Bildschirme (bis 10,1 Zoll).

Schön gelöst, aber in der Bedienung eher ein Rückschritt. Wie bei Konkurrenzmodellen sollte man bei der Bedienung solcher Oberklassefahrzeuge manchmal lieber kurz stehen bleiben. Sie kann mehr ablenken als jedes Handy am Steuer. Auch fällt einem auf, dass die Faszination digitaler Armaturen doch recht schnell verblasst. Speziell in höheren Preisklassen passt die Pixel-Spielerei auch nicht besonders gut zum übrigen Ambiente. Bentley hat jetzt schon die Lösung und lässt im neuen Continental GT per Knopfdruck die Wahl zwischen Mäusekino oder edlen Analog-Armaturen in der Cockpitmitte.

Ansonsten alles High End im Innenraum. Materialien, Sitze, Sitzposition, Detailqualität, rahmenlose Scheiben – dies alles ist Oberklasse. Zumal es auf allen Rängen auch wahrlich nicht an Platz mangelt. Unter der riesigen Heckklappe warten Avant-würdige 535 bis 1390 Liter Laderaum.

Das Fahren: Angesichts eines Leergewichts von zwei Tonnen schafften die Ingolstädter die Quadratur des Kreises. So wirkt der A7 mit dynamischer Allradlenkung und Luftfederung ungemein dynamisch und wendig – lässt Gewicht und knapp fünf Meter Länge vergessen. In manch enger Kurve glaubt man kaum, dass man in so einem Auto sitzt und nicht etwa in einem S3. Auf schlechter Straße oder Autobahn spult der gleiche Wagen aber das Programm eines A8 ab, gleitet und ruht in sich. Für die deutsche Autobahn sind auch die Bremsen gemacht, zumal sich auch der adaptive Tempomat schon recht gut mit der Schnellstraße versteht. Dorthin gehört auch der 286-PS-TDI (bereits sauber nach Euro 6dTemp).

Er entwickelt mit 620 Newtonmetern Bärenkräfte und hält über die Achtgangautomatik den geliebten Diesel-Drehmoment-Punch parat. Zusammen mit einem wirklich respektablen Praxisverbrauch von rund acht Litern eine unschlagbare Kombination für die Langstrecke und Überland. Audi lässt den TDI dabei überraschend sportlich klingen. In der Stadt erscheint dies bisweilen als nicht allzu samtige Laufkultur. Gleichwie Audi auch beim Zusammenspiel zwischen Maschine und Automatik von süddeutscher Konkurrenz noch immer lernen kann – speziell beim Anfahren, wo den mächtigen TDI ein Turboloch plagt.

Randnotiz zu einem grandiosen Fahrzeug. Ab 77.990 Euro stehen die Türen des 50 TDI Quattro offen.



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