Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.09.2018


Digitale „Reifeprüfung“ für Firmen

Osttiroler Unternehmen haben ab Oktober die Möglichkeit, den Grad ihrer „digitalen Reife“ analysieren zu lassen. Einige Firmen haben es vorab schon ausprobieren können.

© E+Beispiel für Digitalisierung: Statt händisch einen Zeitzettel auszufüllen, kann ein Bauarbeiter das elektronisch über eine App machen. Fotos: iStock, Oblasser

Von Catharina Oblasser

Lienz – Digitalisierung soll mehr als ein Schlagwort sein. Das ist das Ziel eines Projekts, an dem die Osttiroler Innovationsgesellschaft „Innos“ beteiligt ist. Firmen im Bezirk wird eine genaue Analyse ihres „Reifegrades“ in puncto digitale Nutzung im täglichen Ablauf angeboten. Auf der Analyse des Status quo ergeben sich Verbesserungsvorschläge, die Zeit und Geld sparen, die Verlässlichkeit von Maschinen steigern oder das Wissen einer einzelnen Abteilung allen zugänglich machen.

Richard Piock, Geschäftsführer der Innos, nennt ein einfaches Beispiel: „Auf einer Baustelle füllen die Arbeiter Zettel mit den geleisteten Arbeitsstunden aus. Die Zettel werden abgegeben und der Inhalt im Büro händisch ins System eingetragen. Würde man dafür eine Handy-App nutzen, kämen die Daten ohne Umwege in den Firmencomputer.“ Das spart Zeit und vermeidet so manchen Übertragungsfehler. Kein großer Aufwand und auch keine Hexerei, würde man meinen. Dennoch ist der „Zettel“ noch weit verbreitet.

Die digitale „Reifeprüfung“ läuft nach einem Standardverfahren ab, wie es in Oberösterreich schon oft verwendet wird. Ein Innos-Mitarbeiter lässt sich gerade in das Verfahren einschulen. Ab Oktober soll es „für ein paar hundert Euro“, wie Piock sagt, den Osttiroler Unternehmen zur Verfügung stehen.

Einige Firmen im Bezirk konnten die „Reifeprüfung“ schon testen, darunter die Tischlerei Forcher in Lienz, wie Verkaufsleiter Andreas Wolsegger berichtet. Die Analyse zeigt, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Sie thematisiert auch die vielen Informationen, die in den Köpfen einzelner Mitarbeiter „geparkt“ seien. „Wenn jemand schon lange bei uns ist, hat er natürlich sehr viel Wissen angesammelt“, meint Wolsegger. „Doch was, wenn derjenige krank ist oder in Pension geht?“ Dafür müsse man Vorsorge treffen. Doch nicht in jedem Bereich sei eine Umstellung sinnvoll, meint der Verkaufsleiter. „Bei Vorgängen, die ohnehin gut dokumentiert sind und nicht oft vorkommen, muss man nicht alles per Knopfdruck erledigen können.“

Von der Bewusstseinsbildung bis zum Inkubator

Vier Säulen. Das Projekt der Innos zur Förderung von Digitalisierung umfasst vier Punkte. Neben der „Reifeprüfung" für Firmen sind es Information und Bewusstseinsbildung, Weiterbildung für Studenten der neuen Universität und HTL-Schüler sowie die Bereitstellung eines Experimentierfeldes für 3-D-Druck. Das Land fördert das Projekt mit 200.000 Euro.

Inkubator. Beim Campus Technik Lienz entsteht der so genannte „Inkubator" der Innos GmbH. Dort lässt sich unter anderem der dreidimensionale Druck von Metallteilen ausprobieren, ohne sich selbst ein Gerät anschaffen zu müssen. Der Inkubator soll demnächst eröffnen, der Drucker kommt erst später.



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