Letztes Update am Mi, 12.09.2018 09:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Milupas Muttermilchforscher wollen mit Biotika Darmflora stärken

Das Babynahrungsforschungszentrum im niederländischen Utrecht berichtet von einem neuen Meilenstein.

© iStock/PetrSymbolfoto.

Paris/Utrecht – Die Komplexität der menschlichen Muttermilch macht diese zu einem scheinbar unerreichbaren Maßstab. Sich diesem zumindest anzunähern, ist das Ziel des Babynahrungsherstellers Milupa Nutricia, der für diesen Zweck im niederländischen Utrecht ein Forschungszentrum betreibt. Dort hat man nun mit der Entwicklung neuer Ernährungskonzepte mit Postbiotika und Synbiotika einen weiteren Schritt gemacht.

Kombination von Prä- und Probiotika hinzugefügt

Mit der Einführung einer Säuglingsmilch, deren Eiweißzusammensetzung an die von Muttermilch angepasst ist, wurde laut Milupa vor genau 50 Jahren ein erster Meilenstein in der Muttermilchforschung gesetzt, 1992 erfolgte der Einsatz von langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LCP), 2003 dann der Einsatz der patentierten Ballaststoffmischung scGOS/ lcFOS (9:1) in Säuglingsnahrung. Bei den Synbiotika setzt man nun bei der frühen Entwicklung der Darmflora an. Es handelt es sich dabei um eine Kombination von Prä- und Probiotika. Spezielle Synbiotika können die ins Ungleichgewicht geratene Darmflora bei Säuglingen mit Allergieneigung oder bestehender Allergie stärken. Postbiotika dagegen unterstützen insbesondere den Aufbau der Darmmikrobiota, die allgemein als Darmflora bekannt ist.

Die Wichtigkeit der Darmflora ist wissenschaftlich erwiesen und hat neben der eigentlichen Funktion eine wichtige Rolle bei der Verdauung von Nährstoffen zu spielen, auch physiologische, metabolische, immunologische und selbst psychologische Funktionen, so Milupa unter Hinweis auf 2011 im Journal Genes & Nutrition erschienen Studie. Die Darmflora entsteht beim Säugling bereits vor seiner Geburt, denn schon während der Schwangerschaft gelangen Bakterien über die Plazenta vom mütterlichen in den kindlichen Organismus.

Nach Kaiserschnitt anderer Aufbau der Darmflora

Auch eine Geburt per Kaiserschnitt hat Folgen für das Kind, da in diesem Fall nachweislich ein anderer Aufbau der Darmflora erfolgt. „Die Auswirkungen sind auch nach Jahren noch nachweisbar“, sagte Jan Knol, der seit 2010 Direktor der Darmbiologie und Mikrobiologie bei Danone Nutricia Research ist, bei einem Medientermin in Utrecht. „Und beim Neugeborenen verändert sich die Struktur (der Darmflora, Anmerkung) bereits während der ersten Lebenstage immens.“ Und hier kommt dann die Muttermilch ins Spiel bzw. deren Ersatz, der dann auch beim ungestillten Kind helfen soll, Darmflora und damit das Immunsystem zu stärken. „Stillen ist auch ein Immuntraining“, erläuterte Bernd Stahl, wissenschaftlicher Leiter im Danone Nutricia Research Center. „Wenn die Mutter normale Milch trinkt und so das Eiweiß der Kuh zu sich nimmt, dann landen einige wenige dieser Moleküle auch beim Kind“, so Stahl weiter. „Wir vermuten, dass beim Stillen auch die Geschmacks- und Geruchsentwicklung unterstützt wird“, so Stahl weiter.

Von Bedeutung sind aber auch die Muttermilch enthaltenen Prä-, Pro- oder Postbiotika. Die Forschung habe deren Wichtigkeit für den Aufbau der Darmflora und damit auch für das Immunsystem festgestellt. Um deren Aufbau auch bei nicht, oder nur teilweise gestillten Säuglingen zu fördern, wurden von Milupa zwei Ernährungskonzepte entwickelt. Während Postbiotika zusammen mit Präbiotika die Darmflora gesunder Säuglinge unterstützen sollen, ist die Aufgabe der Synbiotika, die wiederum eine Kombination aus Prä-und Probiotika sind, die ins Ungleichgewicht geratene Darmflora bei Säuglingen mit erhöhtem Allergierisiko oder bestehender Kuhmilcheiweißallergie stärken. Noch im vierten Quartal dieses Jahres sollen dann auch entsprechende Produkte auf den Markt kommen. (APA)



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