Letztes Update am Mi, 12.09.2018 11:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kult um die Karos: Jetzt setzen die Kreativen alles auf eine Karte

Karo ist Kult – im heurigen Herbst ganz besonders! Die internationalen Modemacher geizen so gar nicht mit den viereckigen Varianten. Da bekommen sogar die Schotten Konkurrenz. Karo von Kopf bis Fuß ist in.

© AFP Karo von Kopf bis Fuß ist in.

Was die Schotten über den aktuellen Modetrend denken, ist leider nicht überliefert. Sie dürften sich darüber sicherlich amüsieren. Landauf, landab wandeln nämlich gerade viele auf ihren Spuren. Von Hose über Jacke bis Tasche und Kappe: Karo ist jetzt Trumpf!

Modebewusste machen jedenfalls die Schotten so überhaupt nicht dicht. Das viereckige Muster in all seinen bunten, modernen und traditionellen Gewändern ist der Herbststoff, aus dem die Modeträume sind – und dabei doch nichts wirklich Neues.

Der älteste Stoff mit diesem Muster wurde bereits vor 4000 Jahren gefunden – bei Mumien in China allerdings. Und nicht etwa in schottischen Gräbern, wie viele vermuten könnten, denn dieses Muster wird auch heute noch mit den Kilts der traditionellen Clans in modehistorische Verbindung gebracht. Einige denken jetzt vielleicht an Sean Connery (88), der machte schließlich nicht nur im Anzug als James Bond gute Figur.

Auf den roten Teppichen dieser Welt trägt er aber lieber seinen Nationalrock – mit Stolz. Auch im Streifen „Highlander“ zeigte er, was die Schotten untenrum tragen: Viereckige Varianten! Heute müssen wir keine Schotten sein, auch keine tapferen Krieger.

Karo trägt, wer mit Mode spielt

Die Designer schneidern uns jede Menge Karomuster auf den Leib. Den Opas, Musterschülern oder Golfsportlern machen wir damit kreative Konkurrenz.

Alexandre Vauthier glänzt mit schimmernder Schleife am Kleid.
AFP

Pünktlich zum Herbst ist das Muster zurück – und dabei so grell wie noch nie. Bei Versace heißt es Karo von Kopf bis Fuß. Es werden gelbe, rote und blaue Töne munter gemischt. Zum Karo gesellen sich dabei auch jede Menge andere Designs (s.u.). Mutig ist, wer Muster trägt, könnten Beobachter jetzt meinen. Dabei geht es immer noch pompöser!

Der französische Modegenialist Alexandre Vauthier kleidet seine Schönheiten gar in eine riesige goldschimmernde Karo-Schleife. Sonnenbrille dazu kombiniert und es heißt „cool statt kitschig“. Hauptsache Karo. In der Mode der anstehenden kalten Jahreszeit sind alle Varianten gleichermaßen angesagt. Wer nicht so mutig wie stolzierende Mannequins ist, der verschreibt sich einem Prinzip: „Die Kombination funktioniert besonders dann gut, wenn die unterschiedlichen Muster sich in einer Farbwelt bewegen“, erklärt die deutsche Stylistin Ritchie Karkowski. Ansonsten sei die Gesamterscheinung zu bunt, wirke wild und unstrukturiert.

Eine andere Möglichkeit ist für die Mode-Expertin, Karo mit unauffälligen Nude-, Braun- oder Rot-Tönen zu tragen. Oder aber genau das exakte Gegenteil. „Auch Karos mit Uni-Stücken in leuchtenden Farben machen in der kommenden Saison Furore“, sagt Karkowski. Auf den Kleiderstangen werden jetzt sogar Karos in grellen Tönen gesichtet. Mit den Reizen wird nicht gegeizt.

Das war auch schon in der Biedermeier-Zeit der Fall – kaum zu glauben. Karos waren zu dieser Zeit in Wien sehr modern, berichtet Modehistorikerin Regina Karner vom Wien Museum.

Karo als „unschön“ verunglimpft

„Man hat von quadrierten Stoffen gesprochen. In Modezeitschriften war die Rede davon, wie unschön das sei. Damen sollten lieber zu Pastelltönen zurückkehren.“ Nichts da! Die Modebewussten ließen sich nicht aufhalten. „Die Karos waren riesengroß und oft auch noch mit Blumenmotiven kombiniert.“ Tragen die viereckigen Varianten nun sowohl Männer wie Frauen, war das Muster zur damaligen Zeit eindeutig weiblich besetzt. „Es gab schon karierte Herrengehröcke, doch die galten als geckenhaft“, erzählt die Wiener Modehistorikerin.

Im 19. Jahrhundert waren es vor allem die Künstler, die mit Karo und Geschlechterzuschreibungen gespielt haben. Walzerkönig und Komponist Johann Strauss Sohn „hat Pepita-Anzüge getragen und es geliebt“, weiß Karner.

Die Herren kommen dem wilden Karo-Kick von Versace nicht aus.
AFP/picturedesk

Pepita ist ein Karomuster, das klar abgegrenzte Vierecke bildet, wenn auch im Kleinformat: Die Größe der einzelnen Karos liegt bei einem Zentimeter. Daneben gibt es noch etliche weitere Muster (u. a. Glencheck, Vichy, Hahnentritt), die allgemein unter Karo fallen. Manchmal ist auch die Rede von Tartan. Allen traditionellen Varianten ist ihre Machart gleich. Sie entstehen beim Verweben unterschiedlich farbiger Fäden. Oft sind Stücke mit Schottenkaro aus wärmender Wolle oder Tweed – für die herannahende kalte Jahreszeit ideal.

Nur ein Schal oder ein klassischer Mantel – das Londoner Modehaus Burberry ist damit berühmt geworden und hat sein eigenes, geschütztes „Check-Karo“ – ist für Trendsetter aber jetzt eindeutig zu wenig! Wir wollen uns doch nicht sagen lassen, wir seien geizig wie die Schotten. (Deborah Darnhofer)



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