Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.09.2018


Auf allen Vieren bis zum Ziel

Wo normalerweise beim Dolomitenmann die Bergläufer ihre Meister finden, sind wir diese Woche gemütlichen Schrittes hinaufgewandert: Aufs 2441 Meter hoch gelegene Kühbodentörl.

© flexNach dem steilen Waldstück öffnet sich oberhalb der Baumgrenze endlich das Gelände.

Lienz, Amlach – Der Dolomitenmann – ein Teambewerb für Bergläufer, Gleitschirmflieger, Mountainbiker und Kanuten – in den Lienzer Dolomiten ist nur etwas für die „Härtesten unter der Sonne“, wie Erfinder und Ex-Skilegende Werner Grissmann immer sagt. Und dem kann man wirklich nur zustimmen.

Diese Woche sind wir im Rahmen unseres Tourenausfluges den Spuren der Bergläufer über das Hallebachtal hinauf auf das Kühbodentörl gefolgt und von dort über die Kerschbaumer Alm wieder ins Tal abgestiegen. Freilich nicht im Laufschritt wie die Athleten beim Dolomitenmann, versteht sich. Sondern gemütlich. Vom Klammbrückl und nicht direkt von Lienz aus. Ohne Goggsteig also. 1400 Höhenmeter und 14 Kilometer waren es in dieser atemberaubenden Kulisse der Lienzer Dolomiten aber trotzdem.

Und so erfolgt die Runde: Von Lienz (B100, Drautal-Bundesstraße) kommend, zweigen wir einen Kilometer nach Leisach bei einer kleinen Brücke, die über die Drau führt, nach links ab und folgen zuerst der asphaltierten, bald einem Schotterweg hinauf zum kostenlosen Parkplatz beim Klammbrückl – dem Ausgangspunkt unserer Tour.

Bevor man allerdings losmarschiert, sollte man unbedingt beim Klammbrückl einen Tiefblick in die enge, ziemlich furchteinflößende Schlucht der Galitzenklamm werfen. Es lohnt sich. Nur nicht zu weit über das Brückengeländer sollte man sich lehnen.

Einkehrschwung in die Kerschbaumer Alm.
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Jetzt aber geht’s endlich los. Zunächst folgen wir immer der breiten Forststraße in Richtung Kerschbaumer Alm. Obwohl immer wieder Abkürzungen durch den Wald führen, bleiben wir auf dem Forstweg. Auch um Kräfte zu sparen, denn steil wird’s später noch. Und wie.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter https://go.tt.com/2N6zyGt

Nach etwa zwei Kilometern und einer Gehzeit von 25 Minuten erreichen wir schließlich den Hallebach. Geradeaus führt die Forststraße weiter in Richtung Materialseilbahn der Kerschbaumer Alm. Wir aber zweigen etwa 20 Meter vor dem Hallebach im 90-Grad-Winkel nach rechts auf einen schmalen Steig und ins Hallebachtal ab und folgen somit einem Teil der Route, welche die Bergläufer beim Dolomitenmann bewältigen müssen.

Jetzt geht’s richtig zur Sache. Durch Latschenkiefer führt der schmale und sehr, sehr steile Waldweg, oft mit Baumwurzeln übersäte Steig, nach oben. Wirklich schwierig und ausgesetzt ist er zwar nie, für „Halbschuhtouristen“ ist der Zustieg allerdings nicht geeignet. Einmal müssen wir sogar über eine etwa zehn Meter hohe Holzleiter hochklettern, um die Steilheit des Geländes überwinden zu können.

Über diese Leiter müssen sowohl wir als auch die Bergläufer beim Dolomitenmann emporklettern.
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Wir erreichen die Baumgrenze. Und endlich wird das Gelände etwas flacher. Vorbei an einer kleinen Hütte führt unser Anstieg weiter ins Hallebachtal hinein. Noch einmal schlängelt sich über eine Schotterreise der Steig empor.

Und plötzlich wirkt alles so anders. Ein weites Kar, öffnet sich vor uns, links und rechts türmen sich in diesem Kessel die Felswände der Lienzer Dolomiten empor. Etwa der Spitzkofel, dessen Gipfelkreuz hoch oben und auf der rechten Seite über uns thront.

Direkt vor uns liegt unser erstes Etappenziel. Das Kühbodentörl auf 2441 Metern. Eigentlich ist die Scharte zum Greifen nahe, doch der Schein trügt. Vor allem der finale Anstieg nach dem langen Flachstück, die etwa letzten 150 Höhenmeter zum Törl hinauf, bringen die Beinmuskulatur noch einmal auf Maximaltemperatur und werden zur regelrechten Laktatparty.

Uns wundert es nun nicht mehr, dass in dieser Passage so mancher Bergläufer beim Dolomitenmann mit schmerzverzerrtem Gesicht und wie eine Katze auf allen Vieren hinauf ins Ziel krabbelt.

Teil eins und der höchste Punkt unserer Tour ist geschafft. Während für die Bergläufer beim prestigeträchtigen Dolomitenmann hier Schluss ist und die Übergabe an den Gleitschirmflieger erfolgt, setzen wir unsere Runde fort.

Von der Scharte aus führt entlang der Felsen ein Steig über eine Schotterreise nach Südosten. Diesem Weg und dem Hinweisschild folgen wir ohne nennenswerten Höhenverlust bis hinüber zum nächsten Törl, dem Hallebachtörl (2399 Meter). Von nun an geht’s bergab. Unschwierig und weit bequemer, als würde man entlang der Aufstiegsroute wieder zurückmarschieren. Und außerdem mit dem großen Unterschied, dass wir nicht direkt bei der Kerschbaumer Alm vorbeikommen würden. Aber diese ist unser nächstes Ziel.

Zuerst noch ein wenig steiler, führt der Steig nun gemächlich über schmuckes Almenterrain und mit Blick auf viele Spitzen der Lienzer Dolomiten rund 500 Höhenmeter hinunter zur Kerschbaumer Alm und zu Wirtin Beate.

Direkt vor uns liegt das Kuhbodentörl
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1926 wurde das Schutzhaus erbaut und bietet heute rund 33 Schlafplätze. Klein, aber fein ist die Kerschbaumer Alm also und eigentlich ganz nach unserem Geschmack und so, wie wir es mögen.

Seit 2013 sorgt Beate Moroder hoch über dem Lienzer Talkessel und inmitten der Dolomiten für das leibliche Wohl ihrer Gäste. Doch dem war nicht immer so, wie uns die Hüttenwirtin erklärt. „Ich bin eine echte Aussteigerin“, verrät uns Beate. „Über 20 Jahre lang war ich im Bankwesen tätig, bevor ich mir meinen Kindheitstraum von einer Schutzhütte erfüllte.“

Wir könnten noch Stunden auf der Hütte verweilen und den Ausblick genießen, doch es ist an der Zeit, abzusteigen. Von der Hütte schlendern wir gemütlich den Steig hinunter in Richtung Tal. So lange, bis wir wieder auf die Forststraße treffen. Dieser folgen wir bis zum Hallebach. Genau jenem Punkt, wo wir zu Beginn der Tour im 90-Grad-Winkel nach rechts und steil in den Wald abgebogen sind.

Von hier aus erreichen wir nach etwa zwei Kilometern wieder das Klammbrückl und den Ausgangspunkt und vollenden bei traumhaftem Wetter und einer unglaublichen Kulisse unsere Rundtour in den Lienzer Dolomiten.

In diesem Sinn: Viel Spaß bei diesem Ausflug in den Lienzer Dolomiten und auf den Spuren der „Härtesten Bergläufer unter der Sonne“. (flex)



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