Letztes Update am Sa, 11.08.2018 11:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


‚‚Der Sonne entgegen‘‘: Nasa bricht Start der Sonnen-Sonde ab

Die Nasa-Sonde „Parker Solar Probe“ sollte der Sonne so nahe kommen wie keine andere zuvor. Beim Starten gab es allerdings Probleme.

© NASA/Johns Hopkins APLKünstlerische Darstellung der Parker Solar Probe an der Sonne.

Washington – Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat den Start der weltweit ersten Sonde, die durch die Sonnenatmosphäre fliegen soll, verschoben. Der Stopp sei angeordnet worden, weil eine Unregelmäßigkeit während der letzten Minuten des Countdowns aufgetreten sei, teilte die Nasa am Samstag via Twitter mit. Sie will in den nächsten 24 Stunden einen neuen Anlauf unternehmen, wann genau, ist derzeit noch nicht bekannt.

Bis auf rund 6,2 Millionen Kilometer soll sich die Sonde der Sonne nähern, sie auf elliptischen Bahnen umrunden, ihre Atmosphäre untersuchen und dabei mehr als 1370 Grad Celsius aushalten. In Sonnennähe erreicht sie voraussichtlich eine Geschwindigkeit von rund 200 Kilometer pro Sekunde. Die NASA-Forscher versprechen sich von der bis 2025 angesetzten Mission Erkenntnisse über die Funktionsweise von Sternen. Die gesammelten Daten könnten auch künftige Wettervorhersagen genauer machen.

Neue Erkenntnisse erhofft

„Die „Parker Solar Probe“ wird Fragen über Solarphysik beantworten, die uns seit mehr als sechs Jahrzehnten umtreiben“, sagte NASA-Wissenschaftlerin Nicola Fox. „Es ist ein Raumschiff, vollgeladen mit technologischen Neuerungen, die viele der größten Mysterien um unseren Stern herum lüften werden – zum Beispiel, warum der Strahlenkranz um die Sonne herum heißer ist als ihre Oberfläche.“

Auch der zweite Startversuch für die rund 700 Kilogramm schwere „Parker Solar Probe“ an Bord einer „Delta IV Heavy“-Rakete soll am Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida stattfinden. Mit Hilfe der Schwerkraft der Venus gelangt die Sonde nach dem Aufbruch dann Richtung Sonne und damit zum Stern im Zentrum unseres Sonnensystems, um den die Erde kreist und von dem sie durchschnittlich rund 150 Millionen Kilometer entfernt ist.

Die "Parker Solar Probe" soll der Sonne so nahe kommen wie keine andere zuvor.
APA/AFP/NASA

Astrophysiker: „Es wird einige Überraschungen geben“

Mit der „Parker Solar Probe“ benannte die NASA erstmals eine Sonde nach einem lebenden Wissenschafter, dem Astrophysiker Eugene Parker (91), einem emeritierten Professor der University of Chicago. Er fühle sich sehr geehrt, sagte Parker. „Die Sonde fliegt in eine Gegend des Weltalls, die wir noch nie erkundet haben. Es ist sehr aufregend, dass wir da endlich hinschauen können. Ich hätte gerne detailliertere Messungen der Sonnenwinde. Ich bin mir sicher, es wird einige Überraschungen geben. Gibt es immer.“

Seit Jahrzehnten schon plant die NASA eine solche Sonnen-Expedition, nun wird sie Wirklichkeit. Rund zwei Jahre nach der „Parker Solar Probe“ startet bereits der nächste Raumflugkörper zur Sonne, der „Solar Orbiter“ der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Die Missionen wurden unabhängig voneinander entwickelt, sollen aber kooperieren. „Es gibt da einfach Fragen, die uns seit langer Zeit beschäftigen“, sagte NASA-Forscher Adam Szabo. „Wir wollen herausfinden, was nahe der Sonne passiert, und die offensichtliche Lösung dafür ist, einfach hinzufliegen. Wir können es gar nicht mehr abwarten.“

Nicht erste Sonnen-Sonde, aber sie kommt näher heran

Die Sonde „Parker Solar Probe“ kommt zwar näher an die Sonne heran, als alle anderen zuvor. Sie ist aber nicht die erste, die die Sonne aus der Nähe untersucht. Bereits in den 1970er-Jahren starteten die deutsch-amerikanischen Sonden Helios 1 und Helios 2, die jedoch mit rund 45 Millionen Kilometern einen gebührenden Abstand zum Hitzeball hielten. Zum Vergleich: Die Erde ist im Schnitt etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Merkur rund 58 Millionen Kilometer. (APA/dpa)



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