Letztes Update am Fr, 18.12.2015 08:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Acht Kinder getötet: Mord in Australien bleibt rätselhaft

Das Haus ist voller Blut, als der Sohn heimkommt. Was er entdeckt, ist unfassbar: Acht Kinder, darunter sieben seiner Geschwister, wurden erstochen. Die Mutter ist des Mordes angeklagt - doch sie will nicht reden. Auch ein Jahr später weiß keiner genau, was passierte.

© EPA/Dan PeledEine Forensikerin der Polizei betritt das Haus, in dem die Morde statt fanden.

Von Frank Walker, dpa

Manoora, Cairns – Am 18. Dezember 2014 schien die Welt in der Murray Street in Manoora, einem Vorort von Cairns an der tropischen Nordostküste Australiens, noch in Ordnung. In einem der Häuser wohnte eine Frau mit sieben ihrer neun Kinder. Eine 14-jährige Nichte war zu Besuch. Einen Tag später wurden die Leichen der acht Kinder entdeckt.

Nachbarn zeigten sich später im Gespräch mit Reportern fassungslos. Die 38 Jahre alte Mutter - die insgesamt neun Kinder stammen von fünf verschiedenen Vätern - habe zwar in den vergangenen Jahren ein paar Alkoholprobleme gehabt. Sie sei aber eine gute Mutter gewesen und habe immer dafür gesorgt, dass die Kinder täglich in die Schule und sonntags in die Kirche gingen. Drei Töchter waren im Alter von zwei, elf und zwölf Jahren, die vier Söhne im Alter von fünf, sechs, acht und neun Jahren.

Merkwürdiges Verhalten der Mutter

Bewohner berichteten aber auch davon, dass sich die Frau seit einigen Wochen merkwürdig verhalten habe. Sie habe unentwegt über Gott gesprochen und jedem geraten, an Jesus zu glauben. Auch sei sie auf einmal streitsüchtig gewesen. „Plötzlich rief sie: „Ich bin der Schöpfer! Ich bin die Auserwählte! Ihr werdet mir alle folgen““, sagte eine Nachbarin der Zeitung The Australian.

Am 18. Dezember sah man sie vor dem Haus beten. Später soll sie unverständliche Worte ins Handy gesprochen haben, manche meinten, Folgendes gehört zu haben: „Lass nicht zu, dass sie sie uns wegnehmen. Gott segne dich. Vergib mir für das, was ich tun werde.“

Niemand hörte Schreie

Nach Darstellung der Polizei entdeckte ein 20-jähriger Sohn tags darauf die Leichen. Alle acht Kinder wurden erstochen aufgefunden. Die Mutter lag mit vermutlich selbst zugefügten Stichwunden im Garten. Berichten zufolge weigerte sie sich, mit der Polizei über das zu reden, was sie „den Vorfall“ nennt. Niemand hat Schreie gehört, manche mutmaßten, die Frau habe die Kinder unter Drogen gesetzt.

Australien reagierte schockiert. 4.500 Menschen, darunter der damalige Premierminister Tony Abbott, kamen zu einer Trauerfeier. Der Regierungschef sprach von einem „unfassbaren Verbrechen“. Ortsansässige mieden das Haus. Schließlich wurde das Gebäude im vergangenen Juni abgerissen. Langsam wächst das Grundstück zu.

Kein Hinweis auf Motiv

Was eigentlich geschah, bleibt ein Rätsel. Die Polizei hat auch ein Jahr später keinen Hinweis auf ein Motiv. Die Behörden hatten beispielsweise nicht vor, der Frau die Kinder wegzunehmen. Verwandte sagen, dass sie nie um Hilfe bat oder überfordert zu sein schien. Sie ist des achtfachen Mordes angeklagt, wird aber seit Monaten auf ihre Zurechnungsfähigkeit geprüft. Falls sie als unzurechnungsfähig eingestuft wird, kann das Queensland Mental Health Court auch Sicherungsverwahrung anordnen.

Zum Jahrestag der traurigen Ereignisse wird es eine traditionelle Zeremonie der Grabesöffnung geben, wie sie in der Heimat der mutmaßlichen Täterin auf den Torres-Strait-Inseln üblich ist. Bei der Gedenkfeier in einem Park in der Nähe des Tatorts werden Tausende



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