Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.09.2018


Vor Saisonstart: Haie tanzen wieder auf dem Vulkan

Das Pulverfass Erste Bank Eishockeyliga wird von den Haien mit dem ersten Saison-Spiel gegen Dornbirn (Freitag, 19.15 Uhr) wieder entzündet. In der Tiwag-Arena soll es für die Fans wieder „Rock ’n’ Roll“ spielen.

© gepaDer Auftakt naht - rund um Kapitän Tyler Spurgeon (Nr. 19) wollen die Haie auch in dieser Saison wieder jubeln.

Von Alex Gruber und Tobias Waidhofer

Innsbruck — Die Generalprobe, ein starker 4:0-Sieg über DEL-Klub Straubing Tigers, nährte die Hoffnung, dass die Haie über genügend Klasse verfügen, um zum dritten Mal in Serie als Top-sechs-Team den vorzeitigen Einzug in die Play-offs und dann womöglich sogar ein Semifinale zu schaffen. „Dafür müssen wir aber auf die Detailarbeit achten", wiederholte Coach Rob Pallin in der wechselhaften Vorbereitung gebetsmühlenartig. Ein Blick auf die Haie und die Konkurrenz:

E wie Euphorie: Als Rob Pallin vor zwei Jahren im Haifischbecken anheuerte, zeichneten eher hängende Schultern als eine breite Brust das Bild. „Innsbruck soll wieder zur Hockey-Stadt werden", nährte der 52-jährige Amerikaner schon damals den Pathos. Und siehe da, es wurde Licht — der sensationelle Einzug in die Play-offs wurde in der Vorsaison sogar als Tabellenfünfter nach dem Grunddurchgang mit neuem Punkterekord (71) bestätigt, ehe man im Viertelfinale zum zweiten Mal in Serie, diesmal allerdings knapper, an den Vienna Capitals scheiterte. Pallin ist für die Haie ein Lottosechser, seit seinem Amtsantritt hat es viele magische Nächte gegeben. Der Zuschauer-Ansturm in der Vorbereitung war der beste Beweis, mit über 1000 verkauften Abos gibt's einen neuen Rekord. Der Bär wird in der Tiwag-Arena mit dem ersten Heimspiel gegen Dornbirn wieder ordentlich steppen.

Erste Bank Eishockey Liga

Modus: Doppelte Hin- und Rückrunde (44 Spiele) im Grunddurchgang; danach Teilung in die Zwischenrunde — die oberen sechs spielen mit Bonuspunkten (6-4-2-1-0-0) die vorderen Plätze und das Wahl - bzw. Heimrecht für die Play-offs aus, die unteren sechs Teams spielen mit demselben Bonuspunkte-System in einer einfachen Hin- und Rückrunde die letzten zwei Viertelfinal-Tickets aus.

Die Play-offs werden vom Viertelfinale (die Top drei der Pick-Round dürfen von den Plätzen fünf bis acht die Gegner wählen) bis zum Finale im Best-of-seven-Modus gespielt.

Champions Hockey League: Der Sieger des Grunddurchgangs, der Pick-Round sowie der Meister dürfen sich am Saisonende über die drei EBEL-Tickets für das Konzert der Großen freuen.

1. Runde, Freitag: Fehervar — Zagreb (18.45 Uhr), HC Innsbruck — Dornbirn, Villach — Znojmo, Linz — Vienna Capitals, Salzburg — KAC (alle 19.15 Uhr).

K wie Kader: Die Haie sind weder Salzburg, Wien oder Linz. Die finanziellen Mittel sind trotz zuletzt durchaus großem Erfolg weiter begrenzt. So matchen sich beispielsweise mit René Swette und Matt Climie zwei gleichwertige Goalies um die Nummer eins. So wurde ein Punktelieferant, allerdings auch Topverdiener, wie Hunter Bishop verloren. Mit Wunschspieler Mike Boivin soll dafür eine Transfergranate in der Defensive zünden, vorne sind Spielmacher Andrew Clark, Andrew Yogan, John Lammers oder Tyler Spurgeon immer für eine Show gut. Ein Hauch von Rock-'n'-Roll-Hockey liegt vor Saisonbeginn schon wieder in der Luft. Mit der entscheidenden Frage, wie die Rückkehrer Nick Ross oder Mario Lamoureux sowie die Neuerwerbungen Alex Lavoie und Levko Koper vom Start an in Schuss kommen. Die Haie, Stichwörter Kadertiefe und Verletzungspech, bewegen sich mit der Zielsetzung direkte Play-off-Qualifikation auf einem schmalen Grat.

N wie Niveau: Frag über das hochkarätige Ligaformat beispielsweise nach bei den Graz 99ers, die seit Jahren vergeblich auf ein Play-off-Ticket warten. In diesem transferreichen Sommer wurde mit Dwight King sogar ein zweifacher Stanley-Cup-Sieger (Los Angeles Kings) verpflichtet. Und über die Klasse von Meister HC Bozen, Red Bull Salzburg oder der Vienna Capitals, die trotz hochklassiger Konkurrenz alle Chancen auf den Aufstieg aus der Gruppenphase der Champions Hockey League halten, gibt es ohnehin nichts zu diskutieren. Hinzu kommen Kaliber wie die Black Wings aus Linz oder Rekordmeister KAC. Bei einem Ex-KHL-Klub wie Zagreb (CRO) oder in Znojmo (TCH) und Fehervar (HUN) ist es aus Erfahrung nicht leicht zu gewinnen. Das macht den sportlichen Reiz der Erste Bank Eishockeyliga aus.

P wie Prognosen: Nachdem in der Vorsaison der HC Bozen einige Wochen Letzter war und dann sensationell Meister wurde, ist alles gesagt. Mit Prognosen ist in der EBEL stets vorsichtig umzugehen. „Erst nach 10 bis 15 Spielen wird man sehen, wo die Reise hingehen kann. Im Play-off ist dann alles möglich", spricht Pallin aus Erfahrung. „Man muss sich jede Nacht aufs Neue beweisen", weiß auch Kapitän Tyler Spurgeon seit Jahren. Die Vorfreude auf den Auftakt am Freitag ist groß.

EBEL Vorschau

HC Innsbruck

1

Trainer: Rob Pallin (USA/alt).
Infos: Die Haie verloren mit Jeremie Blain und Hunter Bishop zwei Punktgaranten und Leistungsträger. Die Eishockey-Euphorie in Innsbruck rund um Erfolgscoach Rob Pallin zementiert sich nach dem zweimaligen Viertelfinal-Einzug unter den Top sechs des Grunddurchgangs aber in einem Rekord an Aboverkäufen.
Einschätzung: Das Play-off sollte für Spurgeon, Clark, Yogan und Co. in Reichweite liegen.

Red Bull Salzburg

2

Trainer: Greg Poss (USA/alt).
Kurzinfo: Der Vizemeister verlor mit den NHL-Routiniers Peter Mueller und Rob Shremp Offensivpower, die sich neu verteilen muss. Mit Brent Regner (Texas) bekam man dafür einen interessanten Mann für die Defensive hinzu. In der Champions-Hockey-League stehen die Bullen kurz vor dem Aufstieg. Tirol-Export Mario Huber geht in seine zweite Saison.
Einschätzung: Der Anspruch lautet wie immer Finale. Möglich.

Vienna Capitals

3

Trainer: Dave Cameron (CAN/neu).
Kurzinfo: Die Fußstapfen von Erfolgstrainer Serge Aubin sind denkbar groß, viele Routiniers (Brocklehurst, Fraser, McKiernan, Pollastrone, Sharp) sind weg. In der Champions Hockey League trumpfte Peter Schneider auf. Die Caps waren zweimal in Serie Innsbrucks Play-off-Sargnagel – nicht zuletzt wegen Rafael Rotter und Starkeeper J.P. Lamoureux.
Einschätzung: Am Halbfinal-Ticket wird man gemessen.

Black Wings Linz

4

Trainer: Troy Ward (USA/alt).
Kurzinfo: Die hochkarätige Linz-Offensive bekam zu Corey Locke, Brian Lebler, Rick Schofield oder Dan DaSilva mit dem 37-jährigen Ex-NHL-Routinier Bracken McKearns noch weiteren Zuwachs. Im Tor wird Michael Ouzas von David Kickert intern gefordert. Und zuhause sind die Oberösterreicher, bei denen Christian Perthaler seit Jahren als Manager werkt, ohnehin eine Macht.
Einschätzung: durchaus titelverdächtig.

KAC

5

Trainer: Petri Matikainen (FIN/neu).
Kurzinfo: Nicht nur auf der Trainerbank herrscht in den vergangenen Jahren ein Kommen und Gehen. Jetzt ruhen die Hoffnungen u. a. auf Norwegens Teamgoalie Lars Haugen, DEL-Topscorer Nick Petersen, der von den Eisbären Berlin kam, oder Ex-Hai Mitch Wahl. Im Hintergrund kann Milliardärs-Erbin Heidi Horten immer nachlegen.
Einschätzung: Der Gang ins Play-off ist Pflicht.

Dornbirn Bulldogs

6

Trainer: Dave MacQueen (USA/alt).
Kurzinfo: Mit Joel Broda kehrte zwar eine gefährliche Waffe aus Linz heim, dafür ging mit James Arniel ein Topscorer an die Vienna Capitals verloren. Mit Boruta und Cip bedienten sich die Bulldogs, die letzte Saison ins Viertelfinale kamen, auch in Znojmo.
Einschätzung: Der Langzeit-Coach steht vor einer schweren Mission Dornbirn wieder in die Runde der letzten acht zu führen.

Villacher SV

7

Trainer: Gerhard Unterluggauer (AUT/neu).
Kurzinfo: Über den finanziell angeschlagenen Adlern machte sich in der Vergangenheit schon das Damoklesschwert eines Konkurses breit. Jetzt verbreiten Heimkehrer Gerhard Unterluggauer, als einziger heimischer Trainer, und ein neuer Hauptsponsor Hoffnung.
Einschätzung: Es riecht nach Aufbruchsstimmung, die dank guter Verpflichtungen auch in die Play-offs führen sollte.

Graz 99ers

8

Trainer: Doug Mason (CAN/alt).
Kurzinfo: Alle Jahre wieder kaufen die Steirer ganz gut ein, um dann im Laufe der Saison im Kampf ums Play-off wegzubrechen. Ein zweifacher Stanley-Cup-Sieger wie Dwight King (Los Angeles Lakers), Travis Oleksuk (Bozen) oder Colten Yellow-Horn (Znojmo-Topscorer) versprechen Gefahr.
Einschätzung: Klasse scheint vorhanden, ins Play-off schaffen es die 99ers aber nur, wenn das Team funktioniert.

HC Bozen

9

Trainer: Kai Suikkanen (FIN/alt).
Kurzinfo: Die Füchse aus Bozen sind nicht nur in der berüchtigten Eiswelle eine ganz eigene Nummer. Kai Suikkanen übernahm die Südtiroler als Tabellenletzter, um sie zum zweiten EBEL-Titel zu führen. Viele Helden wie Egger, Goalie Tuokkola (beide Karriereende) oder DeSousa (Wien) sind zwar weg, der Kader – was zwei CHL-Siege über IFK Helsinki beweisen – ist aber wieder stark.
Einschätzung: Final-Potenzial.

Zagreb

10

Trainer: Aaron Fox (USA/neu).
Kurzinfo: Der einstige Haie-Torjäger und Zagreb-Manager muss jetzt als neuer Coach das Ruder herumreißen. Das wird bei den Kroaten, die neben Neo-Hai Mike Boivin auch einen Offensiv-Hochkaräter wie Tyler Morley und weitere Stützen verloren, alles andere als einfach.
Einschätzung: Am harten Weg ins Play-off müssen die Bären, im Vorjahr Sechster, vor allem zuhause ordentlich punkten.

Fehervar

11

Trainer: Hannu Jarvenpää (FIN/alt).
Kurzinfo: Mit Andrew Sarauer oder Istvan Sofron (beide aus Villach) kehrten zwei „alte“ Haudegen zurück, die man nach langen Jahren in der Erste Bank Eishockeyliga kennt. Dafür ist einer wie Ex-Hai Antonin Manavin nach Zagreb übersiedelt.
Einschätzung: So sympathisch die Ungarn sind, so unwahrscheinlich scheint auch die Play-off-Teilnahme.

HC Znojmo

12

Trainer: Miroslav Frycer (TCH/neu).
Kurzinfo: An eisläuferischer Klasse hat es den Tschechen noch nie gemangelt. Die Torhüterposition wirft rund um Ex-Hai Patrik Nechvatal unter Experten Fragezeichen auf. Der personelle Umbruch ist noch schwer zu deuten. Einen wie C.J. Stretch (USA/28), der von den Frankfurt Lions kam, hätten auch andere gerne im Team.
Einschätzung: in absoluter Tuchfühlung zu den Top acht.



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