Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.08.2018


(K)ein Deo für den Arbeitskollegen

Unangenehmer Körpergeruch kann am Arbeitsplatz für dicke Luft sorgen. Solche Dinge durch die Blume zu sagen, kann missverstanden werden. Einen Blick auf das Thema wirft Business-Coach und Theologe Jürgen Baumann.

© Bei den aktuellen hohen Temperaturen kommt man leicht ins Schwitzen: Wenn der Arbeitskollege stinkt, sollte er behutsam darauf aufmerksam gemach­t werden.Foto: Antonio Guillem

Bei den hohen Temperaturen fällt es bei der Arbeit schnell auf, wenn jemand unangenehm riecht. Bei Körper- oder Schweißgeruch, Mundgeruch oder Schweißfüßen — wie sollte man vorgehen, ohne den anderen zu kränken?

Jürgen Baumann: Das sind sehr heikle Situationen, in denen es auch passieren kann, dass man andere kränkt. Im Führungsbereich und auch sonst finde ich deswegen für derartige Themen die gewaltfreie Kommunikation sehr hilfreich.

Was ist die gewaltfreie Kommunikation?

Baumann: Dabei geht es darum, offen und vorurteilsfrei in ein Gespräch zu gehen. Die gewaltfreie Kommunikation beinhaltet vier Schritte: Der erste Schritt besteht darin, bei den Fakten zu bleiben, ohne etwas hineinzuinterpretieren oder ein Gespräch mit Vorurteilen zu beginnen. Als Zweites sollte das, was einen stört oder ärgert, idealerweise in der Ich-Botschaft formuliert werden. Das heißt, dass ein Verhalten des Kollegen bestimmte Auswirkungen auf die eigene Gefühlsebene hat. Der dritte Bereich betrifft Interessen, Sorgen oder Werte. Warum stört oder ärgert es mich? Der vierte Schritt ist der, dass man den anderen über einen Wunsch oder auch um eine Aufforderung bittet, ein bestimmtes Verhalten nicht mehr oder anders zu machen.

Könnten Sie dieses Modell an dem konkreten Beispiel anwenden?

Baumann: Also man sagt beispielsweise: Mir ist seit den letzten beiden Wochen aufgefallen, dass ich in deiner Nähe vermehrt Schweißgeruch wahrnehme, und mir fällt das nicht leicht, das anzusprechen, dennoch behindert es mich in der eigenen Arbeit und Konzentration. Ich möchte gern, dass wir ein gutes Arbeitsklima haben, dass wir auch Schwieriges ansprechen können und dabei wertschätzend bleiben und sind. Deshalb bitte ich dich, dir zu überlegen, was von deiner Seite möglich ist, dagegen zu tun.

Wer eignet sich am besten, um solche Themen anzusprechen? Muss man den Chef ins Boot holen?

Baumann: Meine Erfahrung zeigt mir, dass sich Mitarbeiter oft nicht trauen, solche schwierigen Themen selbst anzusprechen und zu klären. Es hängt natürlich von der Person oder auch der Qualifikation des Einzelnen ab. Aber meistens ist es so, dass nichts gesagt wird und dann doch der Vorgesetzte miteinbezogen wird. Idealerweise wäre es schon gut, wenn es die unmittelbar Betroffenen selbst ansprechen würden.

Klappen Versuche, Kollegen durch die Blume oder mit nonverbalen Gesten darauf aufmerksam zu machen, oder können diese auch missverstanden werden?

Baumann: Ich kann dies mit einem Erlebnis aus meiner Praxis veranschaulichen: Man hat in einer Abteilung bei Swarovski begonnen, einer Dame immer wieder Deos zu schenken, also ihr durch die Blume zu sagen, dass sie riecht. Sie hat diese Signale nicht verstanden. Schlussendlich haben die Mitarbeiter den Personalchef gebeten, mit ihr zu reden. Die Reaktion war, dass sie aus allen Wolken gefallen ist und gefragt hat, warum ihr das keiner ihrer Kollegen gesagt hat.

Worauf sollte man in dem Gespräch auf jeden Fall achten?

Baumann: Wichtig ist, dass man sich auf das Gespräch vorbereitet, dass man sich überlegt, was man genau sagen möchte. Außerdem ist der Zeitpunkt des Gesprächs entscheidend. Es sollte nicht zwischen Tür und Angel stattfinden und der Kollege sollte nicht überrascht werden. Am besten ist es, offene Fragen in das Gespräch einzubauen und beispielsweise zu fragen: Ist dir das schon aufgefallen? Hat dir das schon einmal jemand gesagt? Weißt du, womit das zusammenhängt? Denn es könnte auch eine gesundheitliche Ursache dahinterstecken. Im Gespräch ist die Ich-Botschaft wichtig, man sollte stets konkret bleiben und auf die Auswirkung der Sache achten, also was macht das mit mir: Es beeinträchtigt mich, es lenkt mich ab. Dann wird es vom Gegenüber am besten aufgenommen, das Arbeitsklima trägt davon keinen Schaden und die betroffene Person wird nicht gekränkt.

Das Interview führte Nina Zacke

3 Fragen an Dr. Christina Rainer-Längle (Hautärztin)

Was hilft gegen Achselgeruch? Im Achselbereich sollte Kleidung nie eng anliegen. Sie sollte generell aus dünnen Stoffen und Naturfasern sein — kein Polyester oder synthetisches Material. Und auch wenn sie in Verruf geraten sind: Aluminiumhaltige Deos reduzieren die Schweißproduktion am besten. Denn dieses Milieu lieben Bakterien, die eigentlichen Geruchsverusacher.

2. Je nach Schuhwerk entwickeln Menschen eher Schweißfüße oder nicht. Was wirkt dagegen? Falsche Socken und falsches Schuhwerk begünstigen das Schwitzen an den Füßen. Daher sollte man so oft wie möglich offene Schuhe mit Ledersohle tragen und sich regelmäßig mit antibakteriellen Seifen und Waschlotionen waschen. Auch für die Füße gibt es Deodorants.

3. Beeinflusst die Ernährung den Schweißgeruch? Gewisse Nahrungsmittel, wie etwa Knoblauch oder Curry, aber auch Medikamente können den Körperduft tatsächlich beeinflussen, weil diese Gerüche im Schweiß abgesondert werden.



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