Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.09.2018


Strom Anfang 2019 teurer, Land soll Tiwag behalten

Laut einer Studie ist die Tiwag eine „Konjunkturlokomotive“ in Tirol. Industriellen-Präsident Christoph Swarovski ist gegen eine Privatisierung.

© TIWAG/VandoryIV-Präsident Christoph Swarovski (von links), LH Günther Platter und Tiwag-Chef Erich Entstrasser.Foto: Tiwag/Vandory

Innsbruck – Der Energie-Regulator E-Control hat jüngst im TT-Gespräch spürbare Preiserhöhungen vorausgesagt, einige österreichische Versorger haben bereits Verteuerungen angekündigt. Auch in Tirol würden die Preise im kommenden Jahr steigen, sagt Tiwag-Vorstandsvorsitzender Erich Entstrasser. International hätten die Einkaufspreise zuletzt massiv angezogen, zudem habe die Trennung der Strompreiszone von Österreich und Deutschland im Oktober einen Preisschub ausgelöst, Einen von der E-Control geschätzten Anstieg des Energiepreises (macht etwa ein Drittel der gesamten Stromrechnung aus) um 7 Prozent sieht der Tiwag-Chef als „obere Grenze“. Man werde die Entwicklung weiter prüfen und dann das Ausmaß festlegen. Teurer werden dürfte es dann Anfang 2019. Entstrasser rechnet heuer mit einem Ergebnis in Vorjahreshöhe von etwa 75 Mio. Euro.

Die Kostenüberprüfung des Gemeinschaftskraftwerks Inn (GKI) sei noch im Laufen. Im Oktober soll die neue Kostenschätzung den Gremien vorgelegt und dann öffentlich gemacht werden, so Entstrasser. Die Investitionssumme war bereits von 461 auf 530 Mio. Euro korrigiert worden.

Präsentiert wurde bei der Pressekonferenz eine Studie der Industriellenvereinigung zur volks- und regionalwirtschaftlichen Bedeutung der Tiwag. So sorgte die Tiwag im Vorjahr für eine direkte Bruttowertschöpfung in Tirol von 340,5 Mio. Euro, unter Berücksichtigung der indirekten Effekte seien es 409,5 Mio. Euro gewesen. In den letzten zehn Jahren habe die Tiwag-Gruppe über 1,64 Mrd. Euro in Betrieb, Instandhaltung und Ausbau der Anlagen investiert, davon gingen 80 Prozent an Tiroler Unternehmen. In den kommenden acht Jahren seien weitere 2 Mrd. Euro geplant. Die Tiwag habe 1400 Beschäftigte und sichere zudem durch ihre Aufträge weitere knapp 2800 in Tirols Wirtschaft. An Steuern und Sozialabgaben seien 230 Mio. Euro abgeführt worden, inklusive der indirekten Effekte fast 334 Mio. Euro.

LH Günther Platter sieht die Tiwag als „Konjunkturlokomotive und als Flaggschiff für den Standort Tirol“. Weitere Investitionen auch in Pumpspeicherkraftwerke seien für die Stromautonomie nötig. Industriellen-Präsident Christoph Swarovski rechnet mit einem steigenden Strombedarf. Die Tiwag stehe für eine sehr sichere und preislich konkurrenzfähige Versorgung für die Wirtschaft und die Bevölkerung. Das neue Standortsicherungsgesetz, das raschere Verfahren bei Projekten bringen soll, sei ein wichtiger und positiver Schritt. Tirol müsse unabhängiger von Öl aus Arabien, Gas aus Russland, Atomstrom aus Deutschland und Kohlestrom aus China sein. Die Tiwag habe strategische Bedeutung für Tirol und solle nicht privatisiert werden, sondern beim Land bleiben, so Swarovski. (va)



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Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:47
Leider bin ich wegen der besseren Übersicht und Lesbarkeit gezwungen meine sonst üblichen Absätze hier nun als weitere 6 Einzelkommentare in chronologischer Reihenfolge zu schreiben, weil die Absatzbildungen wie früher nicht mehr möglich sind. Damit kann ich aber die bessere Übersichtlichkeit gewähren.
Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:46
Wenn man ehrlich bleibt, so müsste man mitteilen, dass die ursprüngliche Kostenschätzung zum Zeitpunkt der Genehmigung (Ende 2012) 400 Mio. Euro betrug! Bei einem Arbeitsvermögen von ca. 400 GWh hätte sich eine noch gute Kennzahl mit 1,0 €/kWh an spezifischen Investitionskosten ergeben. Ende 2014 wurde die ursprüngliche Schätzung um 15,3% auf 461 Mio. erhöht. Daraus resultiert nun eine nur mehr befriedigende Kennzahl von 1,15 €/kWh.
Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:45
Zuletzt wurde diese Summe auf 530 Mio. erhöht und dabei wird es wohl nicht bleiben, oder?
Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:45
Zitiere: „Die Investitionssumme wurde bereits von 461 auf 530 Mio. Euro korrigiert.“ Also hier sollte man von den ursprünglichen Schätzungen ausgehen. Somit ergibt sich bis dato eine Steigerung um 32,5%! Das Ende der Fahnenstange in Bezug auf Baukostenerhöhungen ist aber mit Sicherheit noch nicht erreicht! Aber die Grenze der Wirtschaftlichkeit wurde nun überschritten!
Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:45
Im Frühjahr 2014 erklärte der damalige TIWAG- Chef Bruno Wallnöfer im Stadtsaal Landeck, dass in Bezug auf die spezifischen Investitionskosten seine persönliche Schmerzgrenze bei 1,30 €/kWh liegen würde und es würden sich ihm alle Haare zu Berge stellen.
Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:50
Sorry hier hat sich ein unvollständiger Satz als Fehler eingeschlichen. Sollte richtig lauten: ... und es würden sich ihm alle Haare zu Berge stellen, wenn dieser Wert erreicht bzw. überschritten wird.
Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:44
Nun ergibt sich bereits eine Kennzahl auf Grund des Regelarbeitsvermögens des KW mit ~400 GWh und den zuletzt kolportierten Baukosten mit 530 Mio. eine Kennzahl mit 1,33 €/kWh. Also schon vor Bekanntgabe der neuen Baukosten sollten schon jetzt bei vielen Verantwortlichen die Haare zu Berge stehen. Also nicht nur die Schmerzgrenze ist bereits überschritten, sondern auch die Grenze einer Wirtschaftlichkeit!
Günther Kramarcsik • 14.09.2018 11:44
Abgesehen davon ergibt sich nicht nur ein Schaden aus den Baukostenüberschreitungen, sondern auch wegen der um voraussichtlich mind. 2 Jahre verspäteten Stromproduktion. Bei einem derzeitigen Börsenhandelspreis von ca. 5 Cent/kWh ergibt sich ein Produktionsverlust von ca. 20 Mio. Euro/Jahr. Statt der diesjährigen Inbetriebnahme wie geplant zeichnet sich eine Verspätung um derzeit 2 Jahre ab. Daraus resultiert ein Produktionsverlust von 40 Mio. Euro zusätzlich zu den enormen Baukostensteigerungen!
Walter Gruber • 14.09.2018 07:24
Beim Anbieterwechsel kann man viel sparen. Das gleicht die Erhöhung locker aus. Der Wechsel ist ohne große Probleme möglich.

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Wer hier postet muss die allgemeinen Gesetze und Rechtsvorschriften einhalten.

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