Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.09.2018


Gehen Tirol die Mieter aus?

Bei großen Wohnungen sind Mieter inzwischen rar, bei kleinen stehen sie Schlange, allerdings nur in Ballungszentren. Die Renditen hält die Immobilienbranche für grenzwertig niedrig.

© www.BilderBox.comSymbolfoto.

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Wer mit Wohnungen Geld verdienen will, kann das noch am besten mit einer kleinen Wohnung in der Inntalfurche zwischen Schwaz und Telfs. Da stimmten die Nähe zu Innsbruck, der Zuzug und damit auch die Nachfrage von Mietern. Innsbruck sei gesondert zu betrachten, das rette auch die Eingangsschneisen in den Seitentälern, aber im Rest Tirols sei ein Immobilieninvestment alles andere als eine sichere Bank. „Immobilien sind kein Sparbuch und bedeuten auch Aufwand.“ Das ist die grobe Einschätzung von Arno Wimmer, bundesweiter Berufsgruppensprecher der Immobilienmakler in der Wirtschaftskammer.

In Wörgl ist Evelin Treichl für eine Immobiliengesellschaft tätig. „Wir haben 200 Wohnungen im Zentrum von Wörgl und keine ist frei.“ Für kleine Wohnungen würden die Mieter Schlange stehen. 50 Quadratmeter seien am gefragtesten. Warm kostet eine Neubauwohnung in Wörgl 600 Euro Miete. „Ich bin schon froh, wenn die Mieter die Kaution bezahlen können. Für Eigentum fehlt vielen Leuten schon lange das Geld“, meint Treichl. Mit den Durchschnittseinkommen in Tirol sei es für viele unmöglich, etwas anzusparen.

Dementsprechend dünn werde die Luft auch, wenn Mieten eine bestimmte Schmerzgrenze überschreiten würden. Diese liegt in Wörgl laut Treichl bei 800 bis 900 Euro. Große Wohnungen seien schwer an den Mann zu bekommen. „Bei 100 Quadratmetern ist sehr bald Schluss mit der Nachfrage. Dann kommen zur hohen Nettomiete die hohen Betriebskosten dazu, das kann sich kaum jemand leisten.“ Keine zehn größeren Wohnungen hat die Immobilienfirma in Wörgl auf dem Markt.

Im Oberland kann ein Immobilienmakler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, Treichls Aussagen bestätigen. Kleine Eigentumswohnungen seien in Imst am meisten gefragt. 50 bis 70 Objekte wickelt der Makler im Jahr ab.

Für größere Wohnungen würden sich auch im Oberland schwer Mieter finden lassen. Für 120 m² sind rund 1500 Euro Miete im Zentrum von Imst zu bezahlen. „Das ist den meisten zu viel.“ Aber auch bei der Vermietung von kleinen Wohnungen stoße man auf Probleme. „90 Prozent der Mieter sind nicht annehmbar. Die Qualität der Mieter hat in den letzten Jahren stark abgenommen“, erklärt der Makler. „Sogar Neubauwohnungen sehen nach kürzester Zeit abgewohnt aus, weil sich die Mieter um nichts kümmern.“

Mit Anlegerwohnungen ließen sich in Imst keine guten Renditen mehr erwirtschaften. „Die Baukosten sind einfach zu hoch, weil die Facharbeiter fehlen. Das lässt sich bei der Miete nicht abbilden.“ Viele Tiroler würden immer noch glauben, dass Immobilien eine gute Wertanlage seien. „Das stimmt nicht und gilt schon gar nicht über Generationen.“ In zwanzig bis dreißig Jahren seien Häuser abgewohnt. „Häuser zu verkaufen, ist ganz schlimm, weil es kaum Nachfrage gibt.“ Der Makler rät, Häuser am besten rechtzeitig gegen Wohnungen zu tauschen. Dafür gebe es eher einen Markt.

Zurück nach Innsbruck zu Arno Wimmer. Die Erfahrungswerte seiner Berufskollegen kann er teilen. Die Qualität der Mieter habe tatsächlich nachgelassen, auch in Innsbruck. Die Landeshauptstadt sei, was Immobilien angehe, immer separiert zu betrachten. „Da ist die Nachfrage da und das wird auch so bleiben.“

Was Wimmer Sorge bereitet, ist die Durchmischung der Bevölkerung in Innsbruck. Die horrenden Immobilienpreise hätten dazu geführt, dass die Mittelschicht in die Peripherie ausgewichen sei. „5500 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung, da macht die Mittelschicht schlapp.“ Was bleibe, seien viele Sozialwohnungen und Wohnungen im Luxussegment. In Tirol ortet Wimmer immer noch den Wunsch nach dem Eigenheim, das in der Regel am Land weniger koste als die Wohnung in der Stadt. „Investment ist das aber keines.“



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